Liebe Freunde von treibhaus, Kunst und Kultur,

der treibhaus Katharinenstraße e.V. hat Aufgrund verschiedener Komplikationen im Dezember 2010 offiziell seine Räume in der Katharinenstraße verlassen und wird bis voraussichtlich 2012 keine weiteren Ausstellungen und Veranstaltungen mehr organisieren!

Die besten Grüße sendet
das treibhaus

 

 

Harakiri bellas artes
Nach 11 Jahren künstlerischer Frühbeetkultivierung in den Räumlichkeiten des treibhauses in der Katharinenstraße zieht es die Brigade ab Mitte November 2010 zu weiteren Feldversuchen ins Freie. Die Verlagerung auf das Nomadische geschieht nicht ganz freiwillig, sondern ist größtenteils die Konsequenz, welche die Aktivisten des treibhauses aus dem sogenannten Wurzelfäuleproblem ziehen mussten: Der aktuell prosperierende Mietpreis und der neue Mietvertrag sind einfach nicht tragbar.

Das Aufgeben der Basis entfacht natürlich so manche Wehmutsklage, denn immerhin liegt mehr als ein ganzes Jahrzehnt hinter uns, das von Engagement, Veränderungswillen und Durchhaltevermögen geprägt war. Eine ehemalige Lagerhalle, die noch um ein Kabinett sowie um Atelierräume erweitert wurde, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem „Kulturverstärker“ und einer Schaltstelle künstlerischer Inhalte. Die Bündelung von Ausstellungsbetrieb und kulturellen Veranstaltungen unter dem Glasdach der größten Tageslichtgalerie Dresdens schaffte einen Berührungsraum mit initiatorischer Wirkkraft.

Dass die Mitglieder des treibhauses nun die Beete hochklappen, stellt im Zuge der Umstrukturierungen in der Neustadt kein singuläres Phänomen dar: Zugunsten von Bratwurst und Bier müssen Kunst und Kultur verstärkt in unerschlossene Tundralandschaften flüchten. Verbale Bekenntnisse zur Kultur aller beteiligten Akteure nutzen da wenig, wenn keine praktische Umsetzung folgt.

Auf Seiten der Gewerbetreibenden scheint ein Zuwachs an Rumsbums attraktiver zu sein als der Erhalt künstlerischer Vielfalt. Auf Seiten der Vermieter wird sich wohlwollend mit dem Feigenblatt Kultur geschmückt. Allerdings verhilft das Turteln nicht dazu, bei der Gestaltung von Mietverträgen zwischen Gewerbe- und Kulturmietvertrag zu unterscheiden. Auf Seiten der Ämter ist die Fördersituation eine einzige Katastrophe. Die mangelnde Planungssicherheit, die Förderung von Altlasten, die Undurchsichtigkeit der Vergabepraxis sowie die Vorbehalte gegenüber Projekten, die keine Lobby besitzen, lassen auf ein weniger optimales Zusammenspiel mit den Ämtern schließen.

Den Litaneien über eine zunehmende Neustädter Monokultur durch Party, Bier und Trallala ist entgegen zuhalten, dass jeder den Stadtteil bekommt, den er verdient. Die Gretchenfrage, die hier mitschwingt lautet: die standards verändern oder etwas finden das hilft, sie zu fliehen. oder nur hinsehen, unbewegt, immunisiert durch zorn? (Monika Rinck)

Das treibhaus hat in den vergangenen Jahren eine Antwort gefunden und eine kontinuierliche Arbeit geleistet. Mit seinen unzähligen Ausstellungen, Lesungen und Konzerten etablierte es sich zu einem festen Knotenpunkt im Netz der unabhängigen Kulturszene. Die gewonnenen Erfahrungen, Strukturen und Kooperationen sollen genutzt werden, um erhobenen Hauptes zu gehen und andernorts unvermutet aufzutauchen.

Wir hoffen, dass Sie als unser geschätztes und engagiertes Publikum weiterhin soviel Interesse zeigen wie bisher und unseren Auszug aus dem Gewächshaus ins Freie Feld unterstützen. Wir werden Sie natürlich ständig über den neuesten Stand informieren!

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